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Chile. Puerto Williams. Kurz vor Kap Horn.

Puerto Williams, diese kleine Stadt mit eher dörflichem Charakter, kann man aus Sicht eines Landtieres schon irgendwie als ENDE der Welt betrachten. (Ein Meereswesen, ein Wal zum Beispiel, würde darüber nur lachen: Ende? Was für ein Ende… hahaha). Der Ort auf der Isla Navarino am Beagle-Kanal hat etwa 2300 Einwohner und ist eine der (oder auch DIE) südlichste(n) Siedlung(en) der Erde.

Wir erreichten Puerto Williams im Januar 2025 mit der Fähre Kaweskar aus Punta Arenas. Die Fahrt durch die Fjorde hatte etwa 32 Stunden gedauert. Da die Flüge für die nächsten zehn Tage ausgebucht waren und eine Fährverbindung in der folgenden Woche ausfiel (sie transportierte nur Treibstoff und keine Passagiere), mussten wir bereits 16 Stunden nach der Ankunft um 23 Uhr mit dem selben Boot zurückfahren. Für die Erkundung des Ortes einschließlich des Friedhofs hatten wir also nur einen guten halben Tag. Das reichte gerade so aus.

Blick auf Patagonien / Feuerland. Position der Fähre morgens um 10 Uhr.

Ankunft im Hafen von Puerto Williams gegen 22.30 Uhr

Wir hatten die Ankunftzeit der Fähre falsch eingeschätzt und kein Zimmer gebucht. Zum Glück hatte das Refugio del Padrino direkt gegenüber vom Fähranleger noch einige freie Schlafplätze (Etagenbett, ca. 25 Euro/Person, mit Küchennutzung). Muchas gracias! Dort trafen wir ein paar junge Leute, die die „Zähne von Navarino“ (Dientes de Navarino) erwandert hatten. Die Wanderung zu dieser Berkette startet in Puerto Williams und dauert ca. 5 Tage. Zelt und Verpflegung müssen mitgenommen werden. Trotz dieser Herausforderungen sehe ich die Touristenzahl in den nächsten Jahren steigen…

Die Herberge Refugio del Padrino in Puerto Williams. Januar 2025

Der Stadtplan von Puerto Williams verwirrt etwas, denn Norden und Süden sind vertauscht. Links oberhalb der Legende befindet sich der Fähranleger und schräg darüber ist mit drei Kreuzen der Friedhof eigezeichnet.

Die Häuser in Puerto Williams sind überwiegend aus Holz und Wellblech. Daher erinnerte der Ort mich gleichzeitig an Norwegen, Kanada und den Nordosten Chinas und ich musste mir immer wieder mal ins Bewusstsein rufen, wo ich eigentlich war. Das älteste Haus stammt aus dem Jahr 1953. Bevor Europäer nach Feuerland kamen (etwa ab 1850), lebten hier fünf Volksgruppen, darunter die Selk’nam und die Yámana (auch: Yagan oder Yaghan). Sie wurden von den Kolonisatoren (Schafzüchtern) gejagt und ermordet, zwangsumgesiedelt bzw. angesiedelt und starben an eingeschleppten Krankheiten. In den 1920er Jahren gab es kaum noch Überlebende. Heute werden ihre Kulturen in den vielen lokalen Museen der Region gezeigt, die ihr Verschwinden deutlich als Genozid bezeichnen. Speziell die Selk’nam, deren Initiationariten während des Hain-Festes durch Fotos und Berichte des österreichischen Missionars Martin Gusinde (1886-1969) überliefert sind, wurden in den vergangenen Jahren (oder vielleicht auch schon Jahrzehnten) wiederentdeckt. Als Kunstobjekte im öffentlichen Raum repräsentieren sie heute die regionale Indentität, finden sich aber auch in verschiedenster Form von Kunsthandwerk in den Andenkenshops.

Nachbildungen der Geister-Repräsentationen des Hain-Festes der Selk’nam in einem Souvenirladen in Punta Arenas, Chile

Nach dem Missionar und Dokumentar Gusinde ist das Martin Gusinde Anthropological Museum in Puerto Williams benannt, welches während meiner begrenzten Zeit in Puerto Williams leider geschlossen war.

Filmtipp: Felipe Gálvez‘ Spielfilmdebüt „Colonos“ 2024

Heute dienen Verweise auf die indigene Bevölkerung als Symbole der regionalen Identität. Selk’nam-Darstellung auf der Plaza O’Higgings in Puerto Williams. Januar 2025

Das älteste Haus von Puerto Williams an der Avenida Mira Mar (Meerblick), laut Schild aus dem Jahr 1953.

Der Cementerio Municipal

Cementerio municipal de Puerto Williams. Friedhofsmauer. Dahinter der Beagle-Kanal und die argentinische Küste

Der Januar soll statistisch gesehen der regenreichste Monat sein, aber wie die Fotos zeigen, war das Wetter an diesem Sommertag ziemlich gut. Die Sonne schien, ein leichter Wind wehte und trieb Wolkenfetzen über den blauen Himmel. Es war weder warm noch kalt. Ich zog die Schuhe aus, um einmal im Leben im Beagle-Kanal zu stehen.

Der Friedhof ist von einer weißen Mauer umgeben. Man schaut nach Norden auf den Beagle-Kanal. Den ungeschützt an der Friedhofsmauer stehenden Bäumen sieht man an, dass der Wind oft stark und vor allem aus einer Richtung (Westen) bläst.

Der Friedhof von Puerto Williams ist jedenfalls ein „städtischer“ Friedhof.

Den Bäumen an der Friedhofsmauer sieht man deutlich die Windrichtung an. Eine steife Brise aus Westen.

Hier ruht Rosa Yagan Yagan, die letzte Yámana, die noch den ursprünglichen Lebensstil gepflegt hatte. Sie starb 1983 im Alter von 80 Jahren.

Auf dem Friedhof von Puerto Williams ist auch Rosa Yagan Yagan begraben. Sie starb 1983 im Alter von 80 Jahren und war wohl die letzte ihres Volkes Yámana, die noch den ursprünglichen Lebensstil gepflegt hatte. Die Yámana (auch: Yagan oder Yaghan) waren eine ethnische Gruppe, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Wassernomaden auf Feuerland siedelte.

EIn Foto von Rosa Yagan im Museum von Punta Arenas.

Im Sommer machen echte Blumen den Kunstblumen Konkurrenz

Zu unserer Überaschung entdeckten wir auch eine Chinesin, die sich in Puerto Williams niedergelassen hat: Liu Jiazi, Zoologin und Künstlerin. Leider haben wir sie nicht kennengelernt.

Von Punta Arenas mit der Fähre Kaweskar

Und hier noch ein paar Informationen und Impressionen von der Schiffsreise. Denn der Weg ist das Ziel. Ein Didi-Taxi brachte uns nachmittags gegen 15:30 zum Hafen, wo die Fähre sich zur Abfahrt bereit machte. Die Passagiere waren eine Mischung von Einheimischen und Touristen.

Es gibt keine Kabinen, alle Passagiere schlafen in einem Raum, die meisten in Flugzeugsesseln (asiento Pulman) im Mittelteil. An den Fenstern gibt es einige Luxusplätze in Zweierreihen, die sich zum Schlafen waagerecht zurückklappen lassen (asiento cama). In der Mitte des Raumes ist die Essensausgabe. Dort stellt man sich zu den ausgeschriebenen Zeiten an und bekommt während der Überfahrt zweimal Abendessen, einmal Mittag und einmal Frühstück auf einem Tablett à la Mensa. Es war einfach, aber ausreichend. Heißes Wasser für Tee oder Kaffee war immer vorhanden.

Zwei Portionen Linsen mit Parmesan. Aber eigentlich gab es auch jedes Mal Fleisch.

Für den „Asiento Pullman“ zahlten Einheimische im Januar 2025 rund 26 Euro und Tourist:innen 143 Euro.

32 Stunden Wasser, Wellen, Wolken, Himmel, Berge und Gletscher.

Im Schiff hing ein Zeitplan, wann wir an wichtigen landmarks wie der Cordillera Darwin vorbeikommen sollten, aber ich war mir nie sicher und habe einfach wie ALLE ANDEREN die namenslose Natur genossen (und fotografiert).

Dies könnte tatsächlich der Ventisquero Italia sein, eine Schneeverwehung bzw. Gletscher. Etwa Nummer 10 auf der Karte.

Get your camera ready and go.

Geblieben ist die Sehnsucht.

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