China in Bremen I

Diese wunderbaren Grabmale habe ich vor etwa einem Jahr auf dem Osterholzer Friedhof entdeckt. Sie sind gut dreimal so hoch wie die anderen Grabmale auf diesem Feld und auch die rote Schrift sagt deutlich „Hier sind wir.“ Die meisten Chinesen und Chinesinnen – vor allem solche, die noch auf dem Land oder im dörflichen Raum aufgewachsen sind – träumen davon, in ihrer „Heimat“ begraben zu sein (gemäß dem Spruch: „Fallende Blätter kehren zu den Wurzeln zurück„). Aber die Bevölkerungsdichte und die immer strenger angewendeten Gesetze und Vorschriften zu Bestattungen in China machen die bevorzugte Erdbestattung schwierig bis unmöglich. In diesem Fall gibt es aber ja vielleicht auch Kinder, die in Bremen leben und sich um das Grab ihrer Eltern kümmern möchten. Die Orangen, die ich beim ersten Mal dort sah, werden nicht vom Friedhofsgärtner stammen.
Besonders ist auch, dass es zwei einzelne Steine sind.

Es sind nicht die einzigen mit chinesischen Schriftzeichen in Bremen, aber die Ausführung zeigt, dass sie sicher nicht von einem deutschen Steinmetz gemacht, sondern in China angefertigt wurden. Es handelt sich um ein Ehepaar aus einem Dorf in Guangdong. Oben stehen die Sterbedaten in arabischen Zahlen, jeweils links senkrecht steht das Sterbedatum nach dem chinesischen Bauernkalender. Rechts wird der Ort genannt, aus dem die beiden stammen: das Dorf Luosha in Nanhai, einem Bezirk, der zu der Stadt Foshan in der Provinz Guangdong gehört. Die zwei unteren Zeichen der mittleren Spalte bedeutetn „Grab von“ (之墓, zhimu, der Name steht senkrecht-mittig darüber.). Über dem Namen stehen jeweils noch die (Lang-)Zeichen für „seeliger Vater“ (顯考, xiankao, links) und seelige Mutter (顯妣, xianbi, rechts).

Chinesische Grabsteine in Bremen
Die Orangen zeigen, dass es offensichtlich auch Nachkommen gibt, die für ihre Ahnen sorgen.

Auf dem Osterholzer Friedhof habe ich noch einen weiteren chinesischen Grabstein entdeckt. Auch hier erkennt man im unteren Bereich die zwei Zeichen für „Grab von“. Hier liegt ein Ehepaar, oben steht der gemeinsame Familienname, darunter senkrecht die persönlichen Namen. Im Vergleich zu den Schriftzeichen oben fehlt der Schwung und das Gefühl für Strichstärken, es sieht eher so aus, als ob sie jemand nach einer Vorlage kopiert hat.

Eine weitere Spur chinesischer Einwanderung in Bremen fand ich in Huchting. Die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, stammen auch aus der südchinesichen Provinz Guangdong, die seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts besonders viele Auswanderer gestellt hatte. Auf diesem Grab stand auch eine Schale mit sieben halb abgebrannten Räucherstäbchen. Diese Art von Grabstein (polierter schwarzer Stein mit goldenen Lettern und Fotos) würde auch dem aktuellen Geschmack in der Volksrepublik China entsprechen – jedenfalls habe ich dort auf den modernen Stadtfriedhöfen viele ähnliche gesehen.

Noch ein Grabmal auf dem Friedhof im Stadtteil Huchting

Auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg gibt es eine eigene „Begräbnisstätte des Chinesischen Vereins in Hamburg„. Sie geht zurück auf das Jahr 1929, als das Generalkonsulat der chinesischen Republik dort eine Gemeinschaftsgrabstätte erwarb. Dazu werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag machen.

In Bonn wurde 2017 die Anlage eines Sondergrabfeldes für „Angehörige der chinesischen Volksgruppe“ auf dem Nordfriedhof beschlossen. Initiatoren waren die Kultur- und Karnevalsgesellschaft Bönnsche Chinese zusammen mit dem Bund der Chinesen in Deutschland. Ein Anruf beim Nordfriedhof im Februar 2021 brachte allerdings die Auskunft, dass seit 2017 noch nicht viel passiert sei.

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