Im äußersten Nordosten Norwegens, dort wo der Fluss Jacobselv in die Barentsee fließt und Norwegen von Russland trennt, existiert in der verlassenen Ortschaft Grense Jakobselv ein alter Friedhof. Eine Tafel aus dem Jahr 2001 erinnert an die ersten Siedler, die sich vor 150 Jahren hier niedergelassen haben.
Der kleine Friedhof liegt neben einer aus grauen Granitfelsen erbauten Kirche, die links der Zufahrtstraße am Hang thront, bevor man von Süden kommend das Meer erreicht. Diese evangelisch-lutherische Kapelle wurde als Grenzmarkierung errichtet und 1869 fertiggestellt. Nach einem Besuch des norwegische Königs Oscar II von Schweden am 4. Juli 1873 erhielt sie dessen Namen.1992 wurde sie restauriert.

Trutzig thront der Turm der Kong Oscar II. Kirche über der Zufhartstraße. August 2025, Foto: ML

Das Eingangstor zum Friedhof in Grense Jacobselv, August 2025. Foto: ML

Alte Holzkreuze auf dem Friedhof in Grense Jacobselv



Anfangs dachte ich: „Wer ist Fred?“. Irgendwann fiel der Groschen: Fred = Frieden.

Das Kreuz sieht neu aus, aber das Todesjahr auf der Plakette lautet 1930.

Hinweise auf die Nähe zur russischen Grenze: „The national border is located in the river.“
Von der norwegischen Seite aus betrachtet, wirkt die Grenze kaum bewacht. In einer Reportage von Linda Koponen vom 8. Juli 2025 in der NZZ heißt es aber: „Auf russischer Seite der Grenze erstreckt sich eine Sperrzone 18 Kilometer ins Landesinnere.“ Und an anderer Stelle wird der Geheimdienstchef Johan Roaldsnes zitiert: „Ein paar Minuten (…) so lange dauert es, bis der norwegische Geheimdienst hier ist, wenn jemand die Grenze überqueren sollte.“ Ich würde es nicht ausprobieren wollen.
Der nächste größere Ort zu Grense Jacobselv ist Kirkenes. Vor vielen Jahrzehnten, als ich mehrmals zwischen Oslo und Trondheim mit dem Fahrrad unterwegs war, erzählte einmal eine norwegische Krankenschwester von ihrem Jahr in Kirkenes im hohen Norden und von der langen Dunkelheit, die zu Depressionen führen kann. Seitdem hatte der Name „Kirkenes“ sich als etwas Geheimnisvolles, Magisches, sehr weit Entferntes, quasi Unerreichbares festgesetzt. Im August bei strahlendem Sonnenschein kann man sich die Dunkelheit allerdings kaum vorstellen. Magisch war es trotzdem.
In friedlichen Zeiten wäre ich gerne auch nach Murmansk gefahren.

Blick vom Friedhof nach Osten (Russland)

Nördliches Ende (oder auch Ausgangspunkt) des Fahrrad-Fernwanderweges Iron Curtain Trail von der Barentsee bis zum Schwarzen Meer. .. Der nördliche Abschnitt führt 4.127 km durch Finnland (nicht immer direkt entlang der finnisch-russischen Grenze) und das Baltikum an die deutsch-polinische Grenze.
