2020, dieses seltsame Jahr

Kerzen in Trier

2020 wird uns noch lange in Erinnerung bleiben als das Jahr, das jede Planung unmöglich machte. Die Bewegungsfreiheit und die Kontakte waren maßgeblich eingeschränkt und ich saß sowieso viel zuhause, um mein Buch fertigzustellen. Da es aber auch das Jahr des Spazierengehens war, allein oder zu zweit, waren Friedhöfe – sowieso oft als Park angelegt – in dieser Zeit ein besonders passendes Ziel. Mein Mann postete im ersten Lockdown ein Friedhofsfoto mit dem Kommentar: „Weil wir die Lebenden nicht treffen dürfen, besuchen wir die Toten.“ Zum Glück hatten wir selbst lange keine Toten in Familie oder Freundeskreis. Erst im Dezember erhielt ich eine Email von einer langjährigen Bekannten, dass ihre sonst gesunde 78-jährige Mutter gestorben sei.

Wenn ich auf das Jahr zurückblicke, habe ich trotzdem viel gesehen und gesammelt: Im Dezember 2019 und Januar 2020 letzte Vorort-Recherchen in China; im Februar Niagara (Kanada) und der Green-Wood-Cemetery in Brooklyn, New York; im März der Stadtteilfriedhof Bredeney in Essen, der die Mitglieder der Krupp-Dynastie beherbergt; später im Jahr Trier und Eisenach – hier fand unter Corona-Bedingungen und im Familienkreis die Beisetzung des bekannten Übersetzers chinesischer Literatur, Ulrich Kautz, statt; und immer wieder Streifzüge auf den Bremer Friedhöfen und im Umland, so in Fischerhude und Worpswede, wo viele Künster und Künstlerinnen ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Da nun Mitte Dezember, der nächste Lockdown bevorsteht, werde ich die Zeit nutzen, meine Fotos, Notizen und Erinnerungen zu sortieren, und meine Friedhofbesuche der vergangenen etwa 20 Jahre hier zu präsentieren.

Diesen Buddha entdeckte ich an einem nieseligen Novembertag 2020 in der Abenddämmerung auf dem Riensberger Friedhof in Bremen. Die Ruhe, die er unter seiner Moosmütze ausstrahlt, hat für mich etwas sehr Tröstliches. Seine rechte erhobene Hand zeigt die Ermutigungsgeste (Abhaya Mudra) und die linke Hand die Geste der Wunschgewährung oder auch des Segnens (Varada Mudra).

Aber offensichtlich war er mir gar nicht zum ersten Mal aufgefallen. Die zwei unteren Fotos sind von 2018. Er wird zu seinen Füßen von einem Engel begleitet (der auch 2020 noch an seinem Platz ist). Er ist ein schönes Symbol für den Austausch der Kulturen und Religionen über alle Grenzen hinweg.

P.S. Als ich das Bild vom Buddha per Whatsapp verschickte, antwortete eine Freundin: „Dass das erlaubt worden ist…“ Am selben Tag kam eine Bekannte kurz zu Besuch, sah die Bilder und sagte: „Ich kenn jemand, der auf dem Friedhof arbeitet. Dass mit dem Buddha war vor 20 Jahren oder so ein Skandal.“ Ich werde versuchen, mehr herauszubekommen…

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