Ein Amerikaner in Paris: Jim Morrison

Grab von Jim Morrison in Paris 2009

Am 3. Juli 2021 jährt sich der Todestag des Sängers und Dichters James Douglas Morisson.

Unter normalen Umständen besuchen jedes Jahr mehr als drei Millionen Besucher und Besucherinnen aus der ganzen Welt (wage ich mal zu sagen) den 1804 eröffneten Cimetière des Père Lachaise in Paris. Nun haben hier sehr viele Persönlichkeiten des Kulturlebens ihre letzte Ruhe gefunden, aber es heißt, dass ganz besonders viele zum Grab von Jim Morrison pilgern, der eigentlich eher zufällig hier begraben wurde.

2021 fällt der 50. Jahrestag des Todes des „größten Rockstars aller Zeiten“ immer noch in die CORONA-Pandemie mit ihren Reise- und Versammlungsbeschränkungen, die der Friedhofsanlage ungewöhnlich ruhige Zeiten beschert haben dürfte. Und so wird es am Samstag, den 3. Juli, auf dem Père Lachaise vermutlich kein großes Gedenk-Happening für den Lead-Sänger der Doors geben. Anreisen aus dem Ausland, speziell aus den USA, sind ja aktuell praktisch nicht möglich, bzw. nur mit „zwingendem Grund“. Die Friedhofsverwaltung, schrieb mir auf eine Anfrage „offiziell sei nichts geplant, aber Zusammenkünfte seien möglich“.

Jim Morrison: „God of Rock, Todesengel, Schamane…

Als Jim Morrison starb, war ich fünf Jahre alt und der in Florida geborene Dichter und Sänger der Doors war mir kein Begriff. Die Musik der Doors lernte ich erst einige Jahre später kennen, als mein neun Jahre älterer Bruder mir ein paar Platten vermachte, um „etwas für meinen  Musikgeschmack zu tun“. Darunter war die Star-Collection Vol. I Doors LP 18 von 1972. (Da er sich heute gar nicht an die Schenkung erinnern kann, konnte er mir auch nicht sagen, wieso er sich davon getrennt hat). Ich weiß nicht, wie oft ich sie hörte, bis ich mich als Doors-Fan bezeichnen konnte, die anderen LPs habe ich mir jedenfalls nach und nach selbst gekauft oder zu Weihnachten gewünscht. Die Doors waren nur fünf Jahre aktiv, als ihr Jim Morrison mit 27 Jahren starb. Die Fee, die mir drei Wünsche gewähren würde, – einer davon eine Zeitreise zu einem Live-Konzert der Doors in ihrer aktiven Zeit – habe ich bisher leider nicht getroffen.

Am Grab von Jim Morrison war ich aber bereits 1986 (wohl im April), wie das Bild unten rechts zeigt. Wow, was für ein Unterschied zu 2009! So messy! Und die Büste des Sängers ist noch da. Laut Rainer Moddemann, Fan und Autor des umfangreichen Bildbandes „Doors“  (Moddemann, Rainer: „The Doors“. Heel Verlag, Königswinter, Erstauflage 1991; 2001, 2. überarb. Sonderausgabe) wurde sie  am 2. Juli 1981 aufgestellt und in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1988 gestohlen. Der heutige Grabstein mit Metallplatte stammt aus dem Jahr 1991 und wurde von Jims Eltern veranlasst und bezahlt. Die Bronzeplatte weist unter dem Namen einen griechischen Spruch auf, dessen Übersetzung „Dankbar Deinem Geiste“ lautet.

Auch wenn es sich um ein Doppelgrab handelt, ist Jim hier doch allein geblieben: Seine langjährige Freundin und Begleiterin Pamela Courson starb im April 1974 in den USA, wurde eingeäschert und südöstlich von Los Angeles, auf dem Fairhaven Memorial Park & Mortuary Friedhof in Santa Ana, beigesetzt. Obwohl die beiden nicht offiziell verheiratet waren, steht an ihrem Urnenfach „Morrison, Pamela Susan, 1943 – 1974.“

Wieso liegt ein US-amerikanischer Rockstar auf dem Père Lachaise? Die wenigen Monate, die Jim Morrison 1971 in Paris verbrachte, werden ausführlich in dem bereits erwähnten Buch „Doors“ von Rainer Moddemann nachgezeichnet (S. 98-111). Hier finden sich u.a. auch ein Abdruck des Berichts der US-Botschaft „Report of the Death of an American Citizen“ und seines Testaments vom 12.Februar 1969.

Im Jahr 1971 flog Jim am 11. März nach Paris, weil er, wie er seinen Bandmitgliedern sehr kurzfristig und unerwartet mitteilte, eine „Pause“ brauche. Er suchte Ruhe, machte Spaziergänge und schrieb Gedichte. Offensichtlich trank er auch ziemlich viel Alkohol. Vom 9. April bis 3. Mai fuhren Jim und Pamela nach Spanien und Marokko.

Wenige Tage vor seinem Tod machte Jim Morrison mit einem Freund, Alain Ronay, einen Spaziergang auf dem Friedhof Père Lachaise und äußerte den Wunsch, dort bestattet zu werden.

Am 3. Juli morgens wurde Jim Morrison von seiner Freundin Pamela und Freunden, die die Badezimmertür aufbrachen, tot in der Badewanne ihrer Wohnung in der Rue Beautreillis 17 gefunden, nachdem er zuvor Blut erbrochen hatte.  

Im Bericht der US-Botschaft wird als Todesursache entsprechend der Feststellung des französischen Arztes Dr. Max Vasille Herzversagen angegeben. Wie Rainer Moddemann schreibt, dürfte Jim Morrisons Tod eingetreten sein, weil er Asthma-Medizin genommen und weiter Alkohol konsumiert hatte, was laut dem französischen Beipackzettel, den er nicht lesen konnte, hoch gefährlich war.

Hier gibt’s einen Bericht von Alain Ronay über die Tage um Jim Morrisons Tod: „Jim and I – Friends Until Death: Alain Ronay’s account of Jim’s passing (von 1991). Ronay schreibt, er verbrachte viel Zeit mit Jim Morrison im Juni, außerdem war er einer der ersten, die am 3. Juli 1971 nach einem Anruf von Pamela zusammen mit der Filmemacherin Agnes Varda in der Rue Beautreillis auftauchten.

Die Beerdigung fand wenige Tage später im ganz kleinen Kreis (5 Personen) statt. Der Manager der Doors, Bill Siddons war gleich am 3. Juli nach Paris geflogen, hatte dort aber nur einen versiegelten Sarg vorgefunden. Dies trug zu dem Gerücht bei, Jim Morrison sei gar nicht tot, vielleicht habe er seinen Tod sogar nur inszeniert.

No one here gets out alive…

50 Jahre später besteht kein Zweifel, dass Jim Morrison seine physische Existenz damals beendet hat und in den „Club der 27er“ eintrat (Musiker, die mit 27 starben: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Brian Jones…), aber wie die unzähligen Kommentare in vielen Sprachen (ein kurzer, unsystematischer Check brachte English, Italinisch, Spanisch, Polnisch, Russisch..) unter den Youtube-Einträgen von Doors-Songs und Konzertausschnitten zeigen, haben Musik und Texte nichts von ihrer Faszination verloren! Und so bin ich gespannt, ob sich in ein paar Wochen nicht doch ein paar Fans am Grab sammeln werden…

Das Buch von Rainer Moddemann, in dem Zeitungsartikel „Lehrer schreibt Doors-Buch“ von 2009 als „Standard- und Nachschlagewerk, in dem sich Fans auf der ganzen Welt über die Geschichte der Band informieren“, bezeichnet, ist leider beim Heel-Verlag vergriffen.

2009: Fans vor dem Grab von Jim Morrison, das von einem Zaun umgeben ist.

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