Fischerhude. Erinnerung an Cato Bontjes van Beek

Grab von Cato Bontjes van Beek in Fischerhude 2021

In meinem letzten Eintrag zu Fischerhude stellte ich fest, dass viele Fragen offen bleiben. Für die Familie Bontjes van Beek trifft das nicht zu.

Das Leben der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek, die ihre Kindheit und einen Teil ihrer Jugend in Fischerhude verbrachte, wird in ihrer Biographie „Cato Bontjes van Beek. Ein Porträt“ (Arche Verlag, erweiterte und aktualisierte Neuausgabe 2013) von Hermann Vinke ausführlich nachgezeichnet. Ich hatte das Buch im Sommer 2020 aus der Bibliothek ausgeliehen und in einem Rutsch durchgelesen. Ich erzählte meinem Mann von ihrem kurzen Leben (14. November 1920 bis 5. August 1943) und es inspirierte ihn zu einem Porträt mit dem Titel „Ein viel zu früh gefallenes Blatt“.

Zu ihrem 100. Geburtstag am 14. November 2020 gab es eine Gedenkveranstaltung, die aber natürlich coronabedingt nur online stattfand: CATO Konzertfilm (Trailer) Konzertfilm von Helge Burggrabe

Sehr zu empfehlen ist die fast dreistündige Radiosendung von Hermann Vinke: Lange Nacht: Die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek „Leben will ich, leben, leben“, die aktuell noch auf Youtube zu hören ist.

Bevor die Biografie von Hermann Vinke erschien, stand Cato, die Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ in Berlin war, was ihre Bekanntheit angeht, im Schatten von Sophie Scholl. Die „Rote Kapelle“, eine lose Gruppe mit über 100 Mitgliedern, wurde in Westdeutschland nach 1945 lange nicht als Widerstandsgruppe gegen die Nazionalsozialisten wahrgenommen. Mit dem Namen wurde eine kommunistische Spionagevereinigung assoziiert. In Wirklichkeit waren hauptsächlich Flugblätter verteilt worden. Cato Bontjes van Beek, die als Jugendliche in Amsterdam und England gelebt hatte, und in einem offenen Künstlerhaus aufgewachsen war, verabscheute das Nazi-Regime und den Krieg. Neben dem Verfassen und Verteilen der Flugblätter half sie auch französischen Zwangsarbeitern.

Die Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ flog im September 1942 auf. Cato wurde am 20. September verhaftet, zum Tode verurteilt und ein knappes Jahr später am 5. August 1943 zusammen mit 15 anderen Menschen durch das Fallbeil ermordet wurde. Wie aus ihren Briefen und Berichten von Mithäftlingen hervorgeht, verzweifelte sie nicht, sondern fand Stärke im Neuen Testament und ließ sich ihren Glauben an das Gute im Menschen nicht nehmen.

Catos Eltern waren Künstler. Ihre Mutter Olga, geborene Breling, eine erfolgreiche Ausdruckstänzerin und später auch Malerin, ihr Vater, Jan Bontjes van Beek, Keramiker.

Auf dem Fischerhuder Friedhof steht nur ein Erinnerungsstein für Cato Bontjes van Beek. Ihr Leichnam wurde (natürlich gegen den Wunsch ihrer Familie und gegen den Antrag ihres Anwalts) dem Anatomisch-Biologischen Institut der Universität Berlin übergeben. Ein paar abstoßende Details dazu finden sich in ihrer Biografie.  

Im gewissen Sinne ist Cato aber in Fischerhude doch wieder mit ihrer Familie vereint, denn in der nordwestlichen Ecke des Areals liegen ihre Mutter, ihr Bruder Tim mit seiner Frau Roselie, und ihre Schwester Mietje, Malerin. Sowohl Tim als auch Mietje wurden beide 89 Jahre alt, Catos Mutter sogar 99.

Ihr Vater, Jan Bontjes van Beek (1899–1969), der sich in den 1930ern von seiner Frau Olga trennte und nach Berlin zog, hat ein Ehrengrab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin-Nikolassee.

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