Rund um den Friedhof – Bücher zu Weihnachten 2: Für Kinder

Tierfriedhof 2021

Bücher für Kinder, die sich mit Tod und Sterben beschäftigen, gibt es inzwischen ziemlich viele. Dies zeigt ein Blick in das entsprechende Regal in unserer Stadtbibliothek. Ein Kinderbuch zum Thema Tod, das mit am häufigsten genannt und empfohlen wird, ist „Die besten Beerdigungen der Welt“ von Ulf Nilsson (Text) und Eva Eriksson (Illustrationen). Es kommt aus Schweden und ist 2006 auf Deutsch im Moritz Verlag erschienen. Es wendet sich an Familien mit Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren und läuft in der Rubrik: Bücher, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Auf der Verlagswebsite heißt es wie folgt:

Ester, Putte und „ich“ gründen an einem langweiligen Tag ein Beerdigungsinstitut. Für alle toten Tiere, die sonst keiner beachtet, wollen sie die besten Beerdigungen der Welt ausrichten! Mit einer toten Hummel fängt alles an. Ester will sie begraben. Auf einer Lichtung, zu der nur der geheime Pfad der Kinder führt. Ester ist fürs Schaufeln zuständig, „ich“ für ein Gedicht am Grab und der kleine Putte soll dazu weinen. Aber e i n e Beerdigung ist natürlich nicht genug. Jetzt werden noch mehr tote Tiere gebraucht.

Quelle: https://www.moritzverlag.de
Eine Seite aus „Die besten Beerdigungen der Welt“ © Moritz Verlag

Die drei Protagonisten repräsentieren die verschiedenen Altersstufen in der Entwicklung eines Kindes und das jeweils unterschiedliche Verständnis vom Tod. Als die zwei älteren mehr tote Tiere zum Beerdigen suchen, heißt es über den kleinen Putte: „…weil er nicht wusste, wonach wir suchten, fand er auch nichts.“ Auf der Website Bilderbuch Couch gibt es eine ausführliche Inhaltsangabe zu „Die besten Beerdigungen der Welt“. Es ist ein Buch, das sehr liebevoll und auch schnodderig (Ester) an das Thema heranführt. Die Gedichte, die „ich“ (ein Junge) schreibt, sind einfach und tiefgründig und manchmal auch gewollt oder ungewollt lustig (so wie Kinder eben formulieren – in jedem Fall schön übertragen von Ole Könnecke, dem Übersetzer). Am des Buches wird der Tod wieder an seinen Platz verwiesen, wenn es heißt „Am nächsten Tag machten wir dann etwas ganz anderes“.

Ulf Nilsson Eva Eriksson: „Die besten Beerdigungen der Welt“
Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke
40 Seiten, ISBN 9783895651748, 13,95 Euro.

Cover „Die besten Beerdigungen der Welt“ © Moritz Verlag

„Hannah lüftet Friedhofsgeheimnisse“

Während es in „Die besten Beerdigungen der Welt“ um einen spontan entstehenden Tierfriedhof geht, hat die Autorin Diana Hillebrand ihr Werk „Hannah lüftet Friedhofsgeheimnisse. Eine Geschichte über den Tod und was danach kommt“ rund um einen „echten“ Friedhof für Menschen aufgebaut. Außerdem wendet sich das Buch mit aufwendigen Illustrationen von Stefanie Duckstein an etwas ältere Kinder.

Die Protagonistin Hannah ist ein sehr neugieriges 10-jähriges Mädchen. Als sie beginnt, sich für den Tod zu interessieren, geht ihr Mutter mit ihr über den Friedhof, wo sie den Friedhofsgärtner Florian Tod treffen, der zufällig ein alter Bekannter der Mutter ist. Außerdem ist er ein fröhlicher, origineller Typ, mit dem Hannah sich anfreundet und ihn oft besucht. In den nächsten Kapiteln werden verschiedene Aspekt rund um das Sterben und den Tod „abgearbeitet“, bzw. in die Geschichte eingearbeitet. Wie läuft eine Beerdigung ab? Welche Rituale und Vorstellungen davon, was nach dem Tod geschieht, gab es in früheren Zeiten und gibt es bei anderen Religionen oder Kulturen? Was ist ein Hospiz? In Hannahs Umfeld ist der Tod auch als Möglichkeit anwesend, da ihr Vater Kriegsreporter ist. Weil sich das Mädchen mit dem Sterben beschäftigt, trägt sie zum Schluss auch einen Wunsch an ihre Eltern heran, der ganz natürlich daraus erwachsen ist: mehr Zeit miteinander zu verbringen und das Leben zu genießen!

„Hannah lüftet Friedhofsgeheimnisse“ ist sehr flott geschrieben und die Illustrationen sind bunt und  lebendig und ergänzen den Text unaufdringlich mit zusätzlichen Informationen. Text und Bilder stehen in einer ausgewogenen Balance. Besonders gefällt mir, dass auch viele Informationen aus anderen Kulturen eingeflossen sind, die den jungen Lesern und Leserinnen vermitteln, dass „normal“ sehr unterschiedlich verstanden werden kann. Nur China taucht nicht auf, was mir wieder bestätigt, dass über die dortigen Traditionen – von einer kleinen Gruppe von Ethnologen, Anthropologen oder Sinologen abgesehen – einfach nur wenig bekannt ist.

Diana Hillebrand: „Hannah lüftet Friedhofsgeheimnisse.“
Mit Illustrationen von Stefanie Duckstein, 160 Seiten, Kösel (Verlagsgruppe Random House) 2016, ISBN 978-3-466-37164-8, 16,99 Euro (D)

Hannah lüftet Friedhofsgeheimnisse von Diana Hillebrand © Kösel

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