Vortrag: „Friedhofskultur in China. Ein Spaziergang über einige Friedhöfe in der Hauptstadt Beijing“

Am Mittwoch Vormittag, den 29. September 2021, um 11.30 deutscher Zeit, habe ich auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Tokyo, (auch: Ostasiatische Gesellschaft (OAG) einen Vortrag zu Friedhöfen im 21. Jahrhundert in Peking gehalten. Ich nehme Sie mit auf einen Spaziergang über sechs Pekinger Friedhöfe, die ich 2019 besucht habe, und gebe damit Einblicke in aktuelle Bestattungsbräuch und in das gesellschaftliche und regulatorische Umfeld, in dem sie ausgeübt werden.

Der Video-Mitschnitt ist bis zum 31. Oktober 2021 hier zu sehen: https://vimeo.com/619489042

Friedhöfe in Peking, Sketchmap, Lao Du
Friedhöfe in Peking, Sketchmap, Lao Du

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bevorzugten die meisten Chinesen es, ihre Toten in Familiengräbern zu bestatten. Der korrekte Umgang mit Verstorbenen wurde sehr detailliert in den „Familienritualen“ des Neo-Konfuzianers Zhu Xi 朱熹 (1130-1200) festgelegt. Rund um die Städte war kaum noch freies Land für Neubauten oder Ackerland zu finden. Ein westlicher Beobachter fragte sich mit Blick auf ein schier endloses Gräberfeld bei Tianjin, ob China eigentlich eher ein Land der Lebenden oder der Toten sei. Mit dem Ende der Kaiserzeit 1912 gab es dann erste Reformbestrebungen für den Umgang mit den Toten, die sich u.a. in zwei ersten kommerziellen Friedhofsprojekten nach europäischem Vorbild in Beijing in den 1930er Jahren manifestierten.

Die Gründung der VR China brachte eine „Bestattungsreform“, die bis heute andauert. Mao Zedong selber forderte in einem 1956 veröffentlichten Dokument, dass hohe Kader – er selbst eingeschlossen – mit gutem Vorbild vorausgehen und die Einäscherung wählen sollten. Schon in den frühen 1950er Jahren wurden bestehende Friedhöfe (vor allem zahlreiche Ausländerfriedhöfe) umgesiedelt und aufgelöst und in Bauland oder Parks verwandelt. In der Kulturrevolution waren die meisten bestehenden Friedhöfe sich selbst überlassen und oft Schauplätze von Gewalt und Zerstörung.

In den 1980er Jahren wurden sie nach und nach wieder renoviert, und ab den 1990ern gab es auch Neugründungen. Für die knapp 100.000 Menschen, die jährlich in Beijing sterben, existieren heute etwa 100 offiziell genehmigte Friedhöfe, wovon 33 in die Kategorie öffentlich bzw. kommerziell gemanagt fallen. Kaum ein Tourist bekommt aber je einen Friedhof in China zu sehen und auch für die Einwohner spielen sie im Alltag kaum eine Rolle. Woran liegt das? Und wie sehen moderne städtische Friedhöfe heute aus?

Link zur Veranstaltung auf der Website der Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Tokyo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.