Paris: Cimetière des chiens I

Mein erster Besuch auf dem Hundefriedhof Cimetière des chiens in Asnières-sur-Seine / Paris war bereits im Juli 2021 (aber ich musste auf die Genehmigung warten, einen Beitrag zu veröffentlichen). Am Ufer der Seine, an einem ihrer nördlichen Bogen gelegen, ist er mit seinen 122 Jahren einer der ältesten, wahrscheinlich der älteste, der westlichen Welt. Natürlich habe ich vorher dazu recherchiert, einige Erfahrungsberichte gelesen und  Bilder angeschaut. Aber die Informationen aus zweiter Hand können nur neugierig machen, einen Ort selbst erleben, ist etwas ganz anderes.

Das (frühere) Eingangstor im Art nouveau Stil wirkte auf der Website der Stadtverwaltung von Asnières-sur-Seine – weil von unten aufgenommen – irgendwie eindrucksvoller als in Wirklichkeit. Schön ist es trotzdem, und die Baumkronen umrahmen es an diesem schwülen Nachmittag im Juli genauso üppig grün.

Der historische Eingang, entworfen von Eugene Petit, und die Skulptur „Alter Ego“ des Bildhauers Arnaud Kasper, aufgestellt 2019

Die Öffnungszeiten weisen auf die museale Funktion des Ortes hin, montags geschlossen, und Besucher zahlen Eintritt (3,50 Euro), es sei denn, sie besitzen hier eine Grabstelle, dann können sie sogar bis zu zwei Personen kostenlos mitnehmen. Die Île des Ravageurs, auf der der Friedhof liegt, war im 19. Jahrhundert ein Refugium für Lumpensammler, die hier ihre Waren lagerten und sortierten. Nachdem 1898 ein Gesetz verabschiedet worden war, dass die Bestattung von Haustieren erlaubte, gründeten der Anwalt und Herausgeber der Zeitschrift „Freund der Armen“, Georges Harmois,[1] und die Journalistin und Publizistin Marguerite Durand ein knappes Jahr später, am 2. Mai 1899, die Société Française Anonyme du Cimetière pour Chiens et autres Animaux Domestiques. Kurz darauf, am 15. Juni 1899, kaufte die Organisation die Hälfte der Insel. Der Friedhof war sofort ein Erfolg, die Kunden kamen  – wenig erstaunlich – vor allem aus den wohlhabenden Gesellschaftsschichten. Die Ruhefrist der Grabstätten war wählbar zwischen 5 Jahren und unbefristet. 1987 sollte dieser  historische Ort für immer geschlossen werden, dann setzten sich einige gute Seelen für seinen Erhalt ein und so wurde er 1997 unter Denkmalschutz gestellt, weil „pittoresque, artistique, historique et légendaire“. (Quelle: Victoria Vanneau : « Le chien. Histoire d’un objet de compagnie » )

Besucher betreten die Anlage durch ein Tor rechts neben dem historischen Eingangsportal, Tickets und einen Plan gibt es durch ein niedriges, düsteres Fenster in einer Art Schuppen, das sich nur zu diesem Zweck kurz öffnet und gleich wieder schließt. Die Person im Inneren ist kaum zu sehen. Das mag coronabedingt sein.

Nicht nur Hunde…

Endlich stehe ich auf dem Friedhof. Diesem Besuch habe ich ein halbes Jahr und mehrere Lockdowns und Ausgangssperren lang entgegengefiebert. Die Atmosphäre zieht mich sogleich in ihren Bann, so sehr, dass ich den Plan vergesse, den ich gerade bekommen habe. Den finde ich erst abends im Hotel wieder und stelle fest, dass ich ein paar Stars „verpasst“ habe. Das ist aber gar nicht zu bedauern, denn ich entdecke in den nächsten zwei Stunden auf eigene Faust mehr, als Gehirn und Körper aufnehmen können, und am Schluss tun mir Knie und Rücken weh vom vielen Hinknien und Fotografieren „auf Augenhöhe“. Immerhin sollen mehr als 90.000 Tiere hier ihren letzten Ruheort gefunden haben! Auch wenn man sich einfach so treiben lässt, stolpert man ganz von selbst über das eine oder andere berühmte tote Tier, zum Beispiel den ersten Rin Tin Tin.

Das Grab dieses deutschen Schäferhundes, der vor allem in den 1920ern in 26 US-Filmen mitgespielt hatte, und später noch einige Nachfolger für dieselbe Rolle hatte, findet sich mit seinen Lebensdaten sogar auf https://de.findagrave.com

Das Grab von Rin Tintin, „La grande vedette du cinema“ ist eher unspektakulär

Geboren am 10. September 1918 in Elsass Lothringen (von wo ihn am Ende des ersten Weltkrieges ein US-Soldat mitnahm), gestorben am 10. August 1932 in Los Angeles. Ja, und irgendwer hat sich die Mühe gemacht, diesen „deutschen Franzosen“ wieder in seine Heimat zu bringen – irgendwie. Obwohl Los Angeles zu der Zeit – so vermute ich – vielleicht auch schon einen kommerziellen Pet Cemetery hatte.

Rin Tin Tin ist nicht der einzige der einen weiten Weg zurück gelegt hat – den oder die über seine/ihre Lebensdaten hinaus nicht weiter bezeichnete Riki Tike, geboren 1918 in Moskau, gestorben 1928 in Paris, hatte es aus Russland in die kulturelle Hautstadt Europas verschlagen. Sicher Hund oder Katze einer russischen Adeligen, die vor der Revolution floh. Die Tiere folgen ihren Menschen und teilen ihr Schicksal.

Hier geht’s weiter: Paris: Cimetière des chiens II…

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