Warschau Konik Nowy – Tierfriedhof unter Schnee

1991 wurde in Polen der erste Tierfriedhof gegründet: Psi los, (deutsch: „Hundeleben“). Kurz hinter der Warschauer Stadtgrenze gelegen, stand er schon lange auf meiner Wunschliste. Wer hätte damit gerechnet, dass Anfang April eine dicke Schneedecke über Warschau liegen würde?

Ab Warszawa Centralna dauerte die Fahrt etwas über eine Stunde, erst mit dem Zug, dann noch vier Haltestellen mit dem Bus 704 bis Terespolska, an einer unwirtlichen Bundesstraße gelegen. Ich versuchte, mich mit dem Plan von der Friedhofswebsite zu orientieren, leider erstmal wenig erfolgreich. Abgesehen davon, dass der Plan bzw. die Wegbeschreibung in Polnisch ist, ist er, wenn man mit dem Bus aus Richtung Warschau anreist, seitenverkehrt. Außerdem gab bzw. gibt es an der Straße keine Schild oder anderen Hinweis auf den Ort. Der kalte Wind machte das Hin- und Herwandern an der von Gewerbebetrieben gesäumten Straße nicht angenehmer.

Der Eingang im April 2022 nach einem späten Schneefall

Zuerst fragte ich in meinem rudimentären, russischversetzen Polnisch (verstehen geht besser als sprechen) einen Autofahrer, der uns auf die richtige Straßenseite verwies. Als wir richtig eingebogen waren (links von der Tankstelle) und schon in der richtigen Richtung gingen, schickte uns ein Pförtner noch einmal an die Straße zurück (vielleicht war es auch ein Missverständnis), wo endlich eine freundliche ältere Dame mich sofort verstand, kurz fragte, ob wir zum alten oder neuen Friedhof wollten (stary czy nowy?) und uns den Weg wies; erst auf einer vermatschten, LKW-befahrenen Straße bis zum Tor mit dem Pförtner, und dann vor dem von diesem bewachten Terrain nach links noch einen matschigen Feldweg entlang.

Der Friedhof tauchte dann rasch auf (ich denke, er liegt weniger als einen Kilometer Luftlinie von der Bundesstraße entfernt, nur eben hinter Gewerbebetrieben versteckt). Umgeben ist er von einem Maschendrahtzaun, aber das Tor stand offen. Er ist also wohl jederzeit zugänglich, anders als der viel neuere Tierfriedhof bei Rzeszów (angelegt 2015).

In weiten Teilen waren die Gräber von einer unberührten Schneedecke verhüllt, aus der vor allem unzählige bunte Windräder ragten. Es scheint, dass sie der beliebteste Grabschmuck sind. Aber natürlich weiß ich nicht, was alles unter dem Schnee verborgen blieb. Die unerwartete winterliche Atmosphäre hatte in jedem Fall etwas ganz Besonderes und den Schnee wäre es an so einem bedeckten Tag unter den Bäumen sicher ziemlich düster gewesen.

Trotz des Schnees war deutlich zu erkennen, dass die Gräber in ordentlichen Reihen angelegt waren. Viele waren durch ein Zäunchen von ihren Nachbarn und den Wegen abgegrenzt und waren durch Grabplatten mit Namen, Daten, Sinnsprüchen und Worten der Erinnerung gekennzeichnet. Später kamen zwei Arbeiter, von denen einer Englisch sprach. Er sagte, hier sollen 20.000 Tiere begraben sein, auch auf dem neuen Tierfriedhof sind es bereits mehrere Tausend. Zum Glück erklärt er auch, wie man zum neuen Teil kommt, so dass wir etwas später und zwar ziemlich durchgefroren sind, aber keine Problem haben, ihn zu finden. Zuletzt entschuldigt er sich noch, dass der Friedhof etwas unordentlich ist, was aber am langen Winter liegt, und vielleicht sind hier auch ein paar Stürme hinweggefegt, denn es gibt einige umgestürzte Bäume. Neben den Windrädern in Regenbogenfarben sieht man immer weider auch Grablichter, Blumen, viele Fotos, oft in Emaille, Reste von Weihnachtsdeko und Stofftiere (jetzt nass…).,

Klar, dass die meisten Tiere Hunde und Katzen sind, aber auch dazwischen habe ich auch anhand der Fotos ein Frettchen, einen Igel, Tauben, Hasen und eine Schildkröte identifizieren können. Der Igel – ich glaube, er hieß Fochatek – wurde immerhin 5 Jahre alt.

Wie Michał Piotr Pręgowski  in „Pet Cemeteries in Poland and Beyond: Their Histories, Meanings, and Symbolism” schreibt, erfuhr der Gründer von Psy Los, Witold Wojda, erst nach der Auflösung des Ostblocks um 1990 von der Existenz von Tierfriedhöfen und beschloss, dass Polen so etwas haben sollte habe.

Gelibter Hase Kicus – fast sieben Jahre alt geworden

Der Verband der Hundefreunde in Polen?

Auf der Website des Friedhofs gibt es keine Informationen dazu, wie lange die Grabstätten vergeben werden. Da er voll ist und 2013 ein neuer angelegt wurde, ist anzunehmen, dass es keine Befristung gibt. Die jährliche Grabpflegegebühr sind 100 Złoty, also etwa 20 Euro. Die Kosten für Bestattungen liegen zwischen 500 Złoty für Tiere bis 10 Kilo und 800 Złoty für Tiere über 40 Kilo.

Grabanlage für von Amstaff Azyl betreute Terrier

Aus dem individuellen Gedenken sticht die Grabstelle der Amstaff Azyl Foundation heraus, einer Organisation, die sich vor allem um misshandelte und vernachlässigte Bullterrier kümmert.

Der neue Friedhof – auch schon gut belegt

Vom alten zum neuen Tierfriedhof geht man eine knappe halbe Stunde. Hier sind auch viele Nadelbäume gepflanzt, aber noch nicht so hoch gewachsen, so dass das Gelände heller und offener wirkt.

Blick über den neuen Friedhof (Anfang (April 2022)

Grabanlage der Organisation Fundacja Mikropsy für kleine Hunde

Meine Recherchen zu Tierfriedhöfen in Europa im Frühjahr 2022 wurden durch das Stipendienprogramm NEUSTART KULTUR der VG WORT gefördert.

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